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Barrierefreiheit ab 2025 Pflicht: Was Unternehmen jetzt tun müssen

Ab Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz auch für private Unternehmen. Nicht barrierefreie Websites können zu Abmahnungen führen. Was Sie jetzt wissen müssen.

Übersicht🔧 Ratgeber25. August 20257 min
Accessibility Symbol mit verschiedenen Nutzern

Ab 28. Juni 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in vollem Umfang in Kraft. Was viele Unternehmer noch nicht wissen: Das Gesetz betrifft nicht nur öffentliche Stellen, sondern auch private Unternehmen – unabhängig von der Größe.

Eine nicht barrierefreie Website kann ab diesem Datum zu: - Abmahnungen durch Wettbewerber oder Verbraucherschutzverbände - Bußgeldern bis zu 100.000€ - Schadensersatzforderungen von Betroffenen - Reputationsschäden

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen ist Barrierefreiheit kein Hexenwerk – und bringt sogar Vorteile für alle Nutzer. Auch die DSGVO-Anforderungen lassen sich gut mit Barrierefreiheit kombinieren.

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Was bedeutet Barrierefreiheit konkret?

Barrierefreiheit (auf Englisch: Accessibility, kurz A11y) bedeutet, dass alle Menschen Ihre Website nutzen können – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.

In Deutschland leben etwa

  • 7,8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung
  • 1,2 Millionen Blinde und Sehbehinderte
  • 80.000 Gehörlose
  • Millionen Menschen mit Farbenblindheit
  • Viele ältere Menschen mit altersbedingten Einschränkungen

Das sind potenzielle Kunden, die Sie momentan möglicherweise ausschließen!

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Welche Websites sind betroffen?

Ab Juni 2025 ALLE Unternehmen, die

  • Online-Dienstleistungen anbieten
  • E-Commerce betreiben
  • Bankdienstleistungen online anbieten
  • Telefon- und Kommunikationsdienste bereitstellen
  • E-Books oder digitale Medien verkaufen

Praktisch bedeutet das: Fast jede kommerzielle Website ist betroffen!

Ausnahmen (vorerst)

  • Kleinstunternehmen (<10 Mitarbeiter, <2 Mio. € Umsatz) - ABER: Auch diese können abgemahnt werden!
  • Vereins-Websites ohne kommerzielle Angebote
  • Rein private Blogs

Wichtig: Auch wenn Sie als Kleinstunternehmen vorerst ausgenommen sind, empfiehlt sich die Umsetzung – sowohl für SEO als auch zur Vermeidung von Abmahnungen.

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Die WCAG 2.1 Richtlinien: Der Standard

Das BFSG bezieht sich auf die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 auf Level AA.

Die 4 Grundprinzipien (POUR)

  1. 1Perceivable (Wahrnehmbar): Informationen müssen für alle Sinne wahrnehmbar sein
  2. 2Operable (Bedienbar): Alle Funktionen müssen bedienbar sein (auch ohne Maus)
  3. 3Understandable (Verständlich): Inhalte müssen verständlich und vorhersehbar sein
  4. 4Robust: Inhalte müssen von verschiedenen Technologien interpretierbar sein

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Die 10 wichtigsten Barrierefreiheits-Anforderungen

1. Ausreichende Kontraste

Das Problem

Grauer Text auf weißem Hintergrund ist schwer lesbar.

Anforderung

Kontrastverhältnis mindestens 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text.

Praxis-Beispiel

  • ❌ #999999 auf #FFFFFF = Kontrast 2,8:1 (zu niedrig!)
  • ✅ #555555 auf #FFFFFF = Kontrast 8,6:1 (perfekt!)

2. Alternative Texte für Bilder

Das Problem

Screenreader können Bilder nicht "sehen".

Die Lösung

Jedes inhaltstragende Bild braucht einen Alt-Text.

Für dekorative Bilder: Leerer Alt-Text

3. Tastatur-Navigation

Das Problem

Nicht alle Nutzer können eine Maus verwenden.

Anforderung

Alle Funktionen müssen per Tastatur erreichbar sein.

Test

Drücken Sie TAB und navigieren Sie durch Ihre Website. Können Sie:

  • Alle Links erreichen?
  • Formulare ausfüllen?
  • Menüs öffnen?
  • Buttons aktivieren?

Wichtig: Fokus-Zustände müssen sichtbar sein!

4. Beschriftung von Formular-Feldern

Das Problem

Screenreader wissen nicht, was in ein Feld gehört.

Die Lösung

Jedes Input-Feld braucht ein zugeordnetes Label.

5. Korrekte Überschriften-Hierarchie

Das Problem

H1 → H3 → H2 verwirrt Screenreader.

Die Lösung

Logische Hierarchie: H1 → H2 → H3

Regel: Nur eine H1 pro Seite, keine Ebenen überspringen.

6. Video-Untertitel und Transkripte

Das Problem

Gehörlose können Videos nicht verstehen.

Anforderung - Untertitel für alle Videos mit gesprochenem Inhalt - Audiodeskription für wichtige visuelle Informationen - Transkripte als Text-Alternative

7. Verständliche Link-Texte

Das Problem

"Hier klicken" sagt nichts über das Ziel aus.

Die Lösung

Links müssen aus dem Kontext verständlich sein.

8. Kein Nur-Farbe-Coding

Das Problem

Farbenblinde sehen rote/grüne Hinweise nicht.

Die Lösung

Zusätzliche Symbole oder Text verwenden.

9. Ausreichende Link- und Button-Größen

Das Problem

Zu kleine Klickflächen.

Anforderung

Mindestens 44×44 Pixel (auch für Touch-Bedienung wichtig!)

10. Klare, einfache Sprache

Das Problem

Komplizierte Fachsprache und verschachtelte Sätze.

Die Lösung - Kurze, prägnante Sätze - Aktive statt passive Formulierungen - Fachbegriffe erklären - Strukturierte Inhalte (Listen, Absätze)

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Testing: So prüfen Sie Barrierefreiheit

Automatische Tests (Basis-Check)

  1. 1WAVE (WebAIM): Zeigt Fehler direkt auf der Seite an.
  2. 2axe DevTools: Browser-Extension für Chrome/Firefox mit umfassenden automatischen Tests.
  3. 3Lighthouse (Chrome): Chrome DevTools → Lighthouse → Accessibility, inklusive Score von 0-100.
  4. 4Farbkontrast-Checker: WebAIM Contrast Checker für alle Text-Hintergrund-Kombinationen.

Manuelle Tests (wichtig!)

  1. 1Tastatur-Navigation: Durchlaufen Sie die gesamte Website nur mit TAB, ENTER, ESC.
  2. 2Screenreader-Test: Testen Sie kritische Seiten mit VoiceOver (macOS) oder NVDA (Windows).
  3. 3Zoom-Test: Zoomen Sie auf 200% und prüfen Sie, ob Inhalte lesbar und bedienbar bleiben.
  4. 4Farbfilter-Test: Aktivieren Sie Farbenblindheits-Simulation in Browser-DevTools.

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Die häufigsten Fehler

Fehler 1: Fehlende Alt-Texte Wie oft: 60% aller Websites Impact: Hoch – Screenreader können Inhalte nicht erfassen

Fehler 2: Zu niedrige Kontraste Wie oft: 80% aller Websites Impact: Mittel – Erschwert Lesbarkeit für Sehbehinderte

Fehler 3: Keine Tastatur-Navigation Wie oft: 40% aller Websites Impact: Kritisch – Macht Seite für viele Nutzer unbenutzbar

Fehler 4: Formular-Labels fehlen Wie oft: 50% aller Websites Impact: Hoch – Formulare werden unausfüllbar

Fehler 5: Falsche Überschriften-Hierarchie Wie oft: 70% aller Websites Impact: Mittel – Erschwert Navigation mit Screenreader

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Barrierefreiheit ist gut für SEO!

Viele Barrierefreiheits-Maßnahmen helfen auch bei Google:

Alt-Texte → Google versteht Bilder besser (siehe auch Bilder-SEO) Überschriften-Struktur → Google erfasst Inhalt besser Klare Link-Texte → Besseres Verständnis der Seiten-Struktur Mobile-Optimierung → Überschneidung mit Accessibility (mehr zu Mobile-First) [Schnelle Ladezeiten](/ratgeber/website-ladezeit-geschwindigkeit) → Hilft auch bei Accessibility

Fazit: Barrierefreie Websites ranken tendenziell besser!

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Schritt-für-Schritt Umsetzung

Phase 1: Status Quo erfassen (Woche 1) - Automatische Tests durchführen (WAVE, Lighthouse) - Kritische Seiten manuell testen - Liste der Probleme erstellen - Priorisieren nach Schweregrad

Phase 2: Quick Wins umsetzen (Woche 2-3) - Alt-Texte für alle Bilder ergänzen - Kontraste anpassen - Formular-Labels hinzufügen - Überschriften-Hierarchie korrigieren

Phase 3: Tiefere Anpassungen (Woche 4-6) - Tastatur-Navigation sicherstellen - Focus-Styles implementieren - ARIA-Labels wo nötig - Video-Untertitel erstellen

Phase 4: Testing & Dokumentation (Woche 7-8) - Umfassende Tests (automatisch + manuell) - Screenreader-Tests - Barrierefreiheits-Erklärung erstellen - Feedback-Mechanismus einrichten

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Die Barrierefreiheits-Erklärung

Ab Juni 2025 Pflicht: Jede Website braucht eine Barrierefreiheits-Erklärung.

Inhalt

  1. 1Zu welchem Standard ist die Seite barrierefrei? (WCAG 2.1 AA)
  2. 2Welche Bereiche sind noch nicht barrierefrei?
  3. 3Wann wird Barrierefreiheit vollständig umgesetzt?
  4. 4Feedback-Mechanismus (Kontakt für Barrierefreiheits-Probleme)
  5. 5Schlichtungsstelle

Link: Erklärung muss von jeder Seite erreichbar sein (Footer-Link "Barrierefreiheit").

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Kosten vs. Nutzen

Kosten der Umsetzung

  • Bei neuem Website-Relaunch: Minimal (von Anfang an berücksichtigt) – unsere Relaunch-Checkliste hilft bei der Planung
  • Bei bestehender Website: Je nach Komplexität 500-5.000€
  • Laufende Wartung: Barrierefreiheit bei Updates prüfen und in die Website-Wartung aufnehmen

Nutzen

  • Vermeidung von Bußgeldern (bis 100.000€)
  • Keine Abmahnungen
  • Größere Zielgruppe (7,8 Mio. Menschen mit Behinderung)
  • Besseres Google-Ranking
  • Bessere Nutzererfahrung für ALLE
  • Zukunftssicher (alternde Gesellschaft)

ROI: Die Investition zahlt sich mehrfach aus!

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Häufige Fragen

Q: Betrifft das BFSG wirklich jede Website? A: Ja, sobald Sie kommerzielle Dienstleistungen anbieten. Kleinstunternehmen haben vorerst Ausnahmen, aber Abmahnrisiko bleibt.

Q: Reichen automatische Tests? A: Nein! Nur 30-40% der Barrierefreiheits-Probleme werden automatisch erkannt. Manuelle Tests sind Pflicht.

Q: Kann ich abgemahnt werden? A: Ja. Wettbewerber und Verbraucherschutzverbände können ab Juni 2025 abmahnen.

Q: Was ist mit bestehenden Websites? A: Übergangsfristen existieren für manche Bereiche, aber spätestens Juni 2025 muss Barrierefreiheit umgesetzt sein.

Q: Muss ich einen Experten beauftragen? A: Empfohlen, aber nicht zwingend. Viele Maßnahmen können Sie selbst umsetzen. Für Zertifizierung ist ein Experte sinnvoll.

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Fazit: Jetzt handeln!

Barrierefreiheit ist ab Juni 2025 keine Option mehr, sondern gesetzliche Pflicht. Die wichtigsten Schritte:

  1. 1Jetzt testen: Wo stehen Sie?
  2. 2Quick Wins umsetzen: Alt-Texte, Kontraste, Labels
  3. 3Umfassend optimieren: Tastatur, Screenreader, Videos
  4. 4Dokumentieren: Barrierefreiheits-Erklärung erstellen
  5. 5Laufend prüfen: Bei Updates Barrierefreiheit berücksichtigen

Wichtig: Beginnen Sie jetzt! Kurzfristig vor Juni 2025 wird es teuer und stressig.

Eine barrierefreie Website ist nicht nur rechtlich erforderlich – sie ist einfach die bessere Website für alle Nutzer.

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