Tischlerei Kappenberg Warendorf

Werkbericht · Warendorf, Altstadt · 2026

Ein Schrank unter 48 Grad.

Maßmöbel kauft man, ohne sie je gesehen zu haben. Damit Sie wissen, was zwischen Anfrage und Einbau passiert, haben wir ein Projekt vollständig dokumentiert — mit allem, was dabei schief stehen, ausweichen und gefallen darf.

Der fertige Einbauschrank unter der 48-Grad-Dachschräge, helle grifflose Eichenfronten

Das Ergebnis: 5,40 m Giebelwand, sechs Fronten, keine sichtbare Fuge breiter als 3 mm. Eichenfurnier auf MDF, Kanten massiv, lackiert seidenmatt.

Bleistiftskizze des Einbauschranks mit Zollstock und Bleistift auf der Hobelbank

Kapitel 1

Die Skizze

Jedes Projekt beginnt bei uns auf Papier. Beim Erstgespräch in der Altstadtwohnung von Familie Terhalle entstand diese Skizze: ein Schrank über die volle Giebelwand, sechs Türen, dahinter Kleiderstangen links, Böden rechts, ganz außen das Fach für die Koffer — dort, wo der Kniestock zu niedrig zum Stehen ist.

Die Skizze ist kein Deko-Ritual. Sie zwingt alle Beteiligten, früh über das Eigentliche zu reden: Was soll hinein? Was muss griffbereit sein? Erst wenn das geklärt ist, lohnt sich ein CAD-Entwurf.

Tischler misst die Dachschräge mit dem Laser-Entfernungsmesser

Kapitel 2

Das Aufmaß

Die Wohnung liegt im Dachgeschoss eines Hauses von 1908. Ergebnis der Lasermessung: 48 Grad Schräge, die Giebelwand weicht über die Breite um 23 Millimeter aus dem Lot, der Dielenboden fällt nach links um 9 Millimeter. Kein Grund zur Sorge — aber ein Grund, jede Front einzeln zu zeichnen.

Aus dem Aufmaß entsteht der maßstäbliche Entwurf mit Festpreis. Familie Terhalle hat ihn zweimal ändern lassen (eine Stange wurde zum Doppelboden, eine Tür zur Schublade) — beides kostete nichts, weil noch keine Platte geschnitten war. Erst die Freigabe startet die Fertigung. Bei jedem Projekt.

Tischler prüft ein furniertes Seitenteil mit dem Anschlagwinkel an der Hobelbank

Kapitel 3

Die Fertigung

Zuschnitt auf der CNC — bei 23 Millimetern Wandverlauf ist jede Seitenwand ein Unikat, und die Maschine schneidet das Schrägenprofil präziser, als es jede Säge von Hand könnte. Danach übernimmt die Hobelbank: Kanten anleimen, Passungen prüfen, Probemontage in der Halle.

Material: Eichenfurnier auf MDF für die großen, grifflosen Fronten — bewusst nicht massiv, damit die raumhohen Türen über die Jahre plan bleiben. Die sichtbaren Vorderkanten sind massive Eiche, weil dort Hände und Staubsauger anstoßen. Genau diese Kombination empfehlen wir im Material-Atlas.

Hände ölen eine Eichenfront mit einem Baumwolltuch, die Maserung wird sichtbar dunkler

Kapitel 4

Die Oberfläche

Lackiert, seidenmatt — gegen die Empfehlung mancher Kataloge und mit voller Absicht: Das Schlafzimmer liegt nach Süden, und ein geöltes Möbel hätte an der Sonnenseite sichtbar schneller nachgedunkelt als an der Schattenseite. Der Lack hält den hellen Ton über Jahre gleichmäßig.

Geölt haben wir trotzdem etwas: die massive Eichen-Sitzbank, die in die Fensternische des Schranks eingelassen ist. Sie darf Patina ansetzen — und kann jederzeit nachgeschliffen werden.

Zwei Tischler richten das Schrankelement unter der Dachschräge mit der Wasserwaage aus

Kapitel 5

Die Montage

Ein Dienstag, 7:30 Uhr: Böden abgedeckt, Treppenhaus geschützt, sechs Elemente über vier Etagen getragen. Die ausgleichenden Sockelleisten nehmen die 9 Millimeter Bodengefälle auf, die Schrägenprofile schließen an die Wand, die Fugen werden mit der Lehre auf 3 Millimeter eingestellt — überall gleich, das ist die halbe Eleganz.

Um 16 Uhr war der Schrank eingeräumt, um 16:30 Uhr besenrein übergeben. Acht Stunden Montage, sechs Wochen nach der Freigabe — und auf den Tag der Termin aus der Auftragsbestätigung.

So arbeiten wir. Bei jedem Projekt.

Skizze, Aufmaß, Entwurf mit Festpreis, Freigabe, Fertigung, Montage — der Ablauf ist immer derselbe, nur das Möbel ändert sich.